Ausgabe Nr. 10/2018   •   www.msf-ev.de   •   Chemnitz / Zwickau

Aufbruchsstimmung in Sachen ÖPNV

Anlässlich der 30. AHN-Tagung im April 2018 erreichte mit dem Tw. 441 (im Bild links) erstmalig eine Chemnitzer Straßenbahn (Stadtbahn) über Regional- und Eisenbahnstrecken mit eigener Kraft die Innenstadt von Zwickau, wo sie nur wenige Meter entfernt auf ihre meterspurige Schwester aus der westsächsischen Nachbarstadt traf und die Teilnehmer der Sonderfahrt dabei direkt umsteigen konnten. Innovation und moderne Antriebssysteme, die heute auch ein Fahren auf nicht elektrifizierten Strecken ermöglichen, eröffnen hier plötzlich völlig neue Möglichkeiten. Das Foto, das uns Jürgen Puchert gewissermaßen im Nachgang zu seinem Beitrag in unserem letzten Heft übermittelte, soll uns zugleich Anlass sein, wieder einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen, da uns im zurückliegenden Sommer gleich eine ganze Reihe interessanter Neuigkeiten aus der Welt des ÖPNV erreichten.

So ist Chemnitz mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) inzwischen auch Mitglied der Gemeinsamen Beschaffungsinitiative für Zweisystemfahrzeuge nach dem „Tram-Train“-Prinzip geworden, der neben Karlsruhe (VBK und AVG) schon seit geraumer Zeit auch Saarbrücken und Kassel angehören, die das ursprünglich als „Karlsruher Modell“ bekannte System bereits vor etlichen Jahren in modifizierter Form übernommen hatten. Ziel soll dabei eine künftige Großbestellung von weitgehend einheitlichen (Zweisystem-) Stadtbahnfahrzeugen sein, wobei es auch modifizierte Varianten für kombinierten Diesel- oder Akkubetrieb sowie auch für reinen Gleichstrombetrieb geben soll. Ferner sollen auch unterschiedliche Türanordnungen und Einstiegshöhen berücksichtigt und die Zulassungsverfahren insgesamt vereinheitlicht werden; (siehe „Eisenbahningenieur“ Ausgabe 8/2018). Ein weiterer möglicher Beitrittskandidat dieser Initiative könnte demnächst auch das bayerische Regensburg sein, wo der Stadtrat im Juni 2018 mit nahezu 100%iger Mehrheit die Wiedereinführung der Straßenbahn (Stadtbahn) beschlossen hat, verbunden mit der Option späterer Streckenerweiterungen, was auch Umlandstrecken nach dem „Tram-Train“-Prinzip dabei einschließt.

Pünktlich zur diesjährigen Berliner „Innotrans“ machte auch im benachbarten Potsdam die erste fahrerlose Straßenbahn von sich reden, wobei die Fa. Siemens den bekannten Combino-Prototyp-Wagen Nr. 400 als Versuchsträger mit einer „künstlichen Intelligenz“ ausgestattet hatte. Hier kann das Fahrzeug durch entsprechende Kameras neben Verkehrsleiteinrichtungen auch vor ihm fahrende Bahnen, sowie auch Kraftfahrzeuge, Fußgänger, Radfahrer und plötzliche Hindernisse im Gleisbereich zweifelsfrei erkennen und entsprechend reagieren. Bei einer ersten öffentlichen Präsentationsfahrt im Potsdamer Streckennetz gab es dabei auch keinerlei Probleme. Was daraus wird, bleibt allerdings zunächst abzuwarten.

Etwas nostalgischer erscheint hier die jüngste Meldung aus dem thüringischen Gotha. Hier hatte man zunächst geglaubt, dass die thüringischen Betriebe (Erfurt, Gotha, Jena und Gera) eine gemeinsame Ausschreibung für neu zu beschaffende Niederflurstraßenbahnen auf dem Weg bringen würden; (siehe auch „Straßenbahnmagazin“). Da nun doch zu teuer, hat Gotha stattdessen gleich sechs 8-achtachsige Gelenkwagen mit Niederflurmittelteil (Be 4/8) von der Basel-Land-Transport-Gesellschaft (BLT) erworben, die bereits im August in ihrer neuen Heimat eingetroffen sind. Gotha ist damit der erste Straßenbahnbetrieb in Deutschland, der Gebrauchtfahrzeuge aus der Schweiz einsetzen will und damit völliges Neuland betritt, da diese Fahrzeuge nicht der deutschen BOStrab entsprechen und daher erst entsprechend nachgerüstet werden müssen. Sollte sich die Sache als Erfolg erweisen, so ist man keineswegs abgeneigt, eventuell noch weitere Wagen aus der Schweiz zu erwerben, auch wenn diese bereits ca. 40 Jahre alt sind. Mit den überwiegend eingesetzten hochflurigen KT4D, die auch schon etliche Jahre „auf dem Buckel“ haben, ist dagegen kein behindertengerechter Zustieg möglich. (CR)

Kleine Straßenbahn im „Alten Schlachthof“ in Dresden

Am 09.06. und 10.06.2018 fand im „Alten Schlachthof“ in Dresden unsere jährliche internationale Veranstaltung „Kleine (Straßen-) Bahn – ganz groß" statt. Veranstalter war in diesem Jahr der Modellstraßenbahnclub der DVB AG e.V., welcher in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiert. Es war inzwischen das 15. Jahr an jährlich wechselnden Orten, an dem sich Vereine, Hersteller, Händler, Sammler und Privatpersonen aus unterschiedlichen Regionen treffen und den Besuchern die kleinen Bahnen auf ihren Runden präsentieren. Insgesamt nahmen über 50 Aussteller- bzw. Ausstellergruppen teil.

Wir konnten an beiden Tagen 1.700 zahlende Besucher begrüßen. Das war unter den gegebenen hochsommerlichen Bedingungen eine sehr gute Zahl. Die Dresdner Verkehrsbetriebe hatten an beiden Tagen die Zusatzlinie 16 zwischen dem Straßenbahnmuseum Trachenberge und Mickten im Einsatz. Zusätzlich konnten die Besucher aus nah und fern auch mit den historischen Bahnen des Straßenbahnmuseums Dresden mitfahren oder dieses besuchen. Als Bereicherung der Ausstellung spielte am Samstag der Spielmannszug der SG Dresdener Verkehrsbetriebe e.V. auf.

Zur Ausstellung selbst: Die Großmodelle der Ilm-Anlage unter Regie von Jens Huschina und den Partnervereinen mit Modellen aus Berlin, Nürnberg, Thüringen, Leipzig, Dresden usw. oder die 1:10 Modelle von der Familie Puchta aus Plauen begeistern immer wieder. BVJ/JOG schrieben dazu im „Straßenbahnmagazin 8/2018: „Die größte und wohl auch schönste HO-Anlage zeigten wieder die Magdeburger Straßenbahnfreunde, die es meisterhaft schaffen, das Flair der DDR-Zeit rüberzubringen. Insbesondere gefällt hier die original- und detailgetreue Wiedergabe von Vorbildgebäuden und –situationen.“

Weitere sehenswerte Anlagen und Modelle zeigten Modellstraßenbahnfreunde und Vereine aus Brandenburg/Havel, Bremen, Chemnitz, Frankfurt/Oder, Gotha, Hannover, Hamburg, Krefeld, Nürnberg, München, Schwerin (hier in alphabetischer Reihenfolge) und aus der Gastgeberstadt Dresden. Im Weiteren bereicherten die Freunde von New York City Transit Models, der Tramway and Light Railway Society, die Rittner-Modell-Bahn, der Boveraclub Liberec, die OVPS Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz, die Aussteller D. Sibley, A. Spühr und W. Klaus sowie viele andere Gruppen und Einzelpersonen, die hier nicht alle genannt werden können, die diesjährige Ausstellung. Stellvertretend sollen an dieser Stelle auch einige der vielen Modellstraßenbahnhersteller und Händler genannt werden, die die Veranstaltungsreihe seit vielen Jahren begleiten oder in diesem Jahr neu hinzugekommen sind, so u. a.: Ferro-Train, Lehnhardt Blechbahn Spur 0; NAVEMO Nahverkehrsmodelle AG, CDT Modelle, TILLIG Modellbahnen GmbH, Herrmann & Partner, VK-Modelle GmbH, Halling, Region im Modell KG oder Tram Shop Rolf Hafke.

Ausblick auf 2019: Bereits im vergangenen Jahr wurde als nächster Veranstaltungsort das Straßenbahnmuseum in München favorisiert. Erstmalig wurde dabei vom Termin her das Feiertagswochenende zu Pfingsten avisiert. Hier wird insbesondere die Hinfahrt eine besondere Herausforderung werden. Kritische Diskussionen gab es auch dieses Mal wieder zur Organisation der Veranstaltung, zum Zustand der Ausstellungshallen, zur Art und Weise der Aufstellung der Stände und Anlagen, zum abendlichen Begleitprogramm, zum Catering und zur Preisgestaltung. Wir brauchen aber auch keine unbezahlbaren Messehallen, die sich weit entfernt von den Stadtzentren oder ohne Bezug zu den großen Straßenbahnen befinden. Hier sei einmal mehr an die Ursprungsidee dieser Veranstaltungsreihe und nicht zuletzt auch an das überwiegende Ehrenamt der Veranstalter und Teilnehmer erinnert. Wer meckert, der soll es bitteschön besser machen! Wir möchten es an dieser Stelle nicht versäumen, dem Modellstraßenbahnclub der DVB AG e.V., unseren herzlichen Dank für die insgesamt gelungene Ausstellung auszusprechen. (JP)

Modellbahnausstellung im Museumsdepot Sudenburg

Da unsere Ausstellung im Oktober zunehmend näher rückt, nochmals der Aufruf an alle Straßenbahnfreunde, uns beim Auf- und Abbau sowie bei der Bedienung der Anlage zu unterstützen. Hier die Daten:

    • Transport / Aufbau: 11.10. ab 15:00 Uhr
    • Bedienung der Anlage: 12.10. von 14:00 - 18:00 Uhr
    • Bedienung der Anlage: 13.10. von 10:00 - 18:00 Uhr
    • Bedienung der Anlage: 14.10. von 10:00 - 17:00 Uhr (anschl. Abbau)
    • Abtransport der Anlage 15.10. ab 15:00 Uhr
    • Am 13.10. ab 19:00 Uhr findet unser Ausstellerabend statt.

Wer uns bei den vorstehend genannten Aktivitäten aktiv unterstützen möchte, der kann sich gern bei uns melden. Bitte auch um Rückmeldung, wer zum Ausstellerabend mitkommen möchte. Grundsätzlich kann uns jeder vom Verein unterstützen, der zwei gesunde Hände hat. Es müssen auch nicht immer die gleichen Leute die Anlage aufbauen und bedienen. Auch in diesem Jahr wünschen wir uns wieder eine erfolgreiche Ausstellung mit möglichst vielen Besuchern. (MM / CR)

 

 


Termine 2018 und 2019

12/14.10. Magdeburger Modellbahnausstellung

14.12. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss (optional)

15.12. Jahresabschlussfeier in der Gaststätte Stadtfeldklause

08.02. Jahresmitgliederversammlung MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss

12.04. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss

Weitere Termine für 2019 werden noch bekannt gegeben

Fett - Veranstaltungen mit vsl. Teilnahme der Magdeburger Straßenbahnfreunde.

Arbeitstage in unserem Vereinsobjekt Walbecker Straße 54

Unsere Arbeitstage in unserem Vereinsobjekt finden regelmäßig am Sonnabend ab 14.00 Uhr statt.
Änderungen bei Veranstaltungen sowie an Feiertagswochenenden sind vorbehalten.

Ansprechpartner:

  • Michael Menz Tel.:  0391 731 5881 oder 0171 622 5285
  • Michael Götze Tel.: 0152 0258 0649
  • Marco Dankel Tel.: 0151 4243 0567

Das Infoblatt erscheint im Auftrag des Vorstandes der Magdeburger Straßenbahnfreunde e.V.

Redaktion: Christoph Rudhard, Tel.: 0531 704 3255 (tagsüber in Braunschweig).
Textbeiträge und Fotos: Christoph Rudhard (CR) / Jürgen Puchert (JP) / Michael Menz (MM)

Layout und Druck des Vereinsblattes: Michael Menz
Layout der Internetseiten: Andreas Kanter