Ausgabe Nr. 08/2018   •   www.msf-ev.de   •  Triebwagen 32 II in der Herrrenkrugstr. an der "Käserglöcke"

Von wegen Sommerloch

Als langjährige „schreibende Hand“ von unserem Infoblatt ist mir bei inzwischen weit über 100 Ausgaben immer wieder die Frage gekommen, was denn sein würde, wenn mir plötzlich einmal die Themen ausgehen würden. Dies war aber zum Glück noch nie der Fall, da unser gemeinsames Hobby Tag für Tag lebt und mir deshalb auch immer wieder interessante Fotos auf den Schreibtisch flattern, wo es sich lohnt, ein Titelthema daraus zu machen oder eine sog. Kolumne drum herum zu schreiben. Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe einen Beitrag über Regensburg bringen, wo die Straßenbahn (bereits 1964 eingestellt) gegenwärtig eine unvorstellbare Renaissance erlebt – so, als sei das letzte Klingeln einer „Elektrischen“ in den Straßen der Donaustadt erst gestern verklungen. Wenn ein Stadtrat mit nahezu 100%iger Mehrheit (bei nur einer einzigen Gegenstimme) die Wiedereinführung der Straßenbahn beschließt und bereits alle erforderlichen Weichen in die richtige Richtung stellt, so ist dies keineswegs irgendein lokales Ereignis in einer beliebigen deutschen Stadt XY, sondern ein verkehrspolitisches Signal von deutschlandweiter Tragweite, was auch wir natürlich überaus positiv aufnehmen.

Doch zuweilen packt man auch einen bereits angefangenen Beitrag wieder bei Seite, wenn man plötzlich mit völlig neuen Ideen konfrontiert wird; (von wegen Sommerloch). Hier sind es auch immer wieder besonders schöne Momente, wenn uns interessierte Leser oder uns nahe stehende Straßenbahnfreunde mit Fotos oder Anfragen kontaktieren. Dies ist für uns nicht zuletzt auch ein Feedback dafür, dass wir mit unserem Infoblatt über unsere Internetseiten offensichtlich eine sehr breit gefächerte Leserschar erreichen, wo man inzwischen auch weiß, dass man die Magdeburger anschreiben kann, wenn man z. Bsp. für ein größeres Projekt recherchieren will. So ist ein Straßenbahnfreund aus Görlitz gegenwärtig dabei, einen Bildband mit Fotos von dem langjährigen Straßenbahnexperten Peter Dönges zu veröffentlichen, wo ihm bei div. Magdeburger Fotos noch entsprechende Angaben zu Aufnahmeort und anderen Details fehlen. Um dem geplanten Buch und den Aktivitäten des Autors nicht vorzugreifen, wollen wir an dieser Stelle lediglich eine kleine Kostprobe liefern.

Bei unserem heutigen Titelfoto mit dem Tw. 32II an der bekannten „Käseglocke“ (Berliner Chaussee / Bildautor Peter Dönges) war als Aufnahmedatum der Juni 1964 vermerkt worden, wobei ich zunächst etwas ins Stutzen geriet, da Tw. 32II entsprechend den uns vorliegenden Quellen bereits 1961 zum Stadtrundfahrtwagen mit dem Namen „Elbschaukel“ umgebaut wurde und dabei eine sehr auffällige Außenlackierung erhielt. Sowohl Tw. 32II (Depot Stadtfeld), als auch der baugleiche Tw. 34II (Depot Buckau), waren dabei die einzigen beiden Vertreter der HAWA-Serie von 1921, die Mitte der 50er Jahre in das Modernisierungsprogramm beim damaligen VEB Waggonbau Gotha einbezogen wurden. Dies betraf bekanntlich auch die sog. Tonnendachtriebwagen (Serie 141 bis 165) sowie die ehemaligen Maximumtriebwagen (Serie 36 bis 48), die teilweise auch neue Wagenkästen erhielten und dabei äußerlich überwiegend dem Outfit der damaligen Aufbauwagen angepasst wurden. Mit den beiden Einzelgängern hatten die MVB aber offensichtlich nicht viel Freude, da sie in der Regel nur solo sowie für div. Berufsverkehrs- und Sonderdienste zum Einsatz kamen. So war es auch nicht verwunderlich, dass Tw. 32II an diesem Tag als „Hilfsgerätewagen“ beschildert, mit einer Arbeitslore in Richtung Hauptwerkstatt Herrenkrugstraße unterwegs war. Parallelaufnahmen zeigen dabei interessanterweise die gleiche Garnitur wenig später in der Werkstatt-Halle, wo in unmittelbarerer Nachbarschaft ein Gothaer Großraumwagen und gleich mehrere ältere Triebwagen zu sehen sind, die bereits das „Jungfrau“-Logo tragen. Sowohl „Gotha-Großraum“, als auch „Jungfrau“ gab es in Magdeburg jedoch erst ab 1962.

Mit der sog. „Elbschaukel“ (offensichtlich ab ca. 1964) währte die Freude nach anfänglicher Euphorie allerdings nicht lange, da der Wagen schon recht bald später wieder abgestellt und schließlich 1967 verschrottet wurde. (CR)

30. AHN-Tagung 2018 In Chemnitz

Vom 05.04. bis 08.04.2018 fand die 30. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Historischer Nahverkehr in der rund 850 Jahre alten Stadt Chemnitz statt. Im Rahmen des Vorprogramms besichtigte unsere Gruppe am Mittwoch das Sächsische Eisenbahnmuseum in Chemnitz. Dort sind u. a. sehr interessante historische Dampfloks, die uns teilweise noch aus dem Planbetrieb oder von Museumszügen bekannt sind, neben moderneren Traktionsarten und Fahrzeugen der ehemaligen Industriebahn Dresden beheimatet.

Am Donnerstag stellten sich die Gastgeber - der Verein Straßenbahnfreunde Chemnitz e. V., Vertreter der Stadtverwaltung Chemnitz und der Vorstand der Chemnitzer Verkehrs AG - vor. Neben dem geschichtlichen Rückblick und den neuen Projekten der Stadt gab es mit der Bewerbung der sächsischen Metropole als europäische Kulturhauptstadt einen Blick in die Zukunft. Seitens des Verkehrsunternehmens spielte der Strukturwandel vom ausschließlich städtischen Unternehmen zum Chemnitzer Modell im VMS (Verkehrsverbund Mittelsachsen GmbH) eine große Rolle. Hier wurden in den zurückliegenden Jahren die städtischen Straßenbahnstrecken mit Eisenbahnstrecken ins Umland nach dem Tram-Train-Prinzip verknüpft. Die Infrastruktur der Eisenbahnstrecken wird dabei so angepasst, dass Niederflurstraßenbahnwagen bei unterschiedlichen Bahnsteighöhen verwendet werden können. So wurde auch der Chemnitzer Hauptbahnhof über entsprechende Durchfahrtmöglichkeiten so umgebaut, dass der Fahrgast den Übergang vom klassischen Straßenbahnnetz in der Stadt Chemnitz zum Eisenbahnnetz in der Region eigentlich kaum noch spürt. Er braucht auch nicht mehr umsteigen und spart somit viel Reisezeit. Im ersten Schritt war bereits im Jahre 2002 die Inbetriebnahme der Strecke nach Stollberg (Linie C11) erfolgt. Hier wurden erhebliche Fahrgastzuwächse erzielt. In weiteren Stufen gingen zuletzt die Strecken mit den Linien C13, C14 und C15 nach Burgstädt, Hainichen und Mittweida in Betrieb. Am 10.12.2017 wurde die innerstädtische Strecke bis zum Technopark verlängert, die nach dem Weiterbau auf das Eisenbahnnetz in Richtung Thalheim / Aue übergehen soll. Zukünftige Verlängerungen sollen folgen.

In den Vorträgen am Freitag beschäftigten wir uns vorrangig mit Förderanträgen und Fördermaßnahmen bei der Umsetzung von Vereinsprojekten, zum Beispiel bei der Restaurierung historischer Fahrzeuge in unterschiedlichen Orten. Interessant war an diesem Tag auch ein Vortrag aus Nürnberg zur Novellierung der BO Strab mit Aufnahme von entsprechenden Grundlagen des Betriebs und der Zulassung historischer Fahrzeuge. Am 3. Tagungstag stand die Vorstellung von Kooperationsverträgen der Straßenbahnvereine mit den Verkehrsunternehmen und anderen Unternehmen an den Beispielen von Chemnitz, Hannover, Stuttgart, Halle/S. und Nürnberg auf der Tagesordnung.

Im Rahmen des Begleitprogramms kamen Rundfahrten mit historischen Bahnen über das Chemnitzer Streckennetz, der Besuch des Straßenbahnmuseums und der Chemnitzer Parkeisenbahn sowie die Besichtigung des Betriebshofes Adelsberg nicht zu kurz. Am letzten Tag starteten wir mit einem „Citylink“ aus dem Chemnitzer Stadtnetz über Alt-Chemnitz, Stolberg, St. Egidien, Glauchau nach Zwickau-Zentrum. Somit kam wohl erstmalig auch ein Chemnitzer Stadtbahnwagen über Gleise von Eisenbahninfrastrukturunternehmen bis in die Innenstadt von Zwickau. Dort erwarteten uns die Freunde des Nahverkehrs Zwickau e. V. zu einer Rundfahrt mit einem KT4D und dem historischen Gotha-Zug durch die 900 Jahre alte viertgrößte Stadt Sachsens.

Die nächsten AHN-Tagungen sind vom 25.04. bis 28.04.2019 in Dresden und vom 23.04. bis 26.04.2020 in Graz vorgesehen. Wir möchten uns hiermit für die Superorganisation mit den sehr interessanten Beiträgen und Exkursionen bedanken. Nochmals auch ein herzliches Dankeschön an die Straßenbahnfreunde Chemnitz e. V. (JP)

Nochmals DSGVO

Eine gute Nachricht für alle Fotografen und Filmer: Wie das Oberlandesgericht (OLG) Köln gemäß Beschluss vom 18.06.2018 (Az. 15W27/18) feststellte, hat das Kunst-Urheberrechtsgesetz (KUG) weiterhin Vorrang vor der neuen DSGVO; (siehe auch „Volksstimme“ vom 02.07.2018). Die geltenden Regeln für Fotografen und Filmer finden sich in den §§ 22 und 23 des KUG wieder. Das OLG stellte weiterhin fest, dass Fotografen/Filmer, die Fotos und Filme im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit veröffentlichen wollen, dies datenschutzrechtlich auch weiterhin einwilligungsfrei dürfen, da in Artikel 85 der DSGVO der Meinungs- und Medienfreiheit eine große Bedeutung beigemessen wird. Journalisten (auch wir dürfen uns in diesem Sinne zumindest als Hobby-Journalisten betrachten) brauchen also auch weiterhin keine Einwilligungen einzuholen, wobei es natürlich immer Sinn macht, infrage kommende Betroffene (z. Bsp. auch Straßenbahn- oder Busfahrer) zumindest vorher um ihre Zustimmung zu bitten. Wir danken Herrn D. Pauke für diesen interessanten und sehr wichtigen Hinweis. (CR)


Termine 2018

08./09.09. Familienfest im Wissenschaftshafen MD / vsl. Einsatz Dampflok 86.1333-3

05.10. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss

12/14.10. Magdeburger Modellbahnausstellung

14.12. Vereinsabend MSF e. V. – Leo´s Schlemmerimbiss (optional)
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Fett - Veranstaltungen mit vsl. Teilnahme der Magdeburger Straßenbahnfreunde.

Arbeitstage in unserem Vereinsobjekt Walbecker Straße 54

Unsere Arbeitstage in unserem Vereinsobjekt finden regelmäßig am Sonnabend ab 14.00 Uhr statt.
Änderungen bei Veranstaltungen sowie an Feiertagswochenenden sind vorbehalten.

Ansprechpartner:

  • Michael Menz Tel.:  0391 731 5881 oder 0171 622 5285
  • Michael Götze Tel.: 0152 0258 0649
  • Marco Dankel Tel.: 0151 4243 0567

Das Infoblatt erscheint im Auftrag des Vorstandes der Magdeburger Straßenbahnfreunde e.V.

Redaktion: Christoph Rudhard, Tel.: 0531 704 3255 (tagsüber in Braunschweig).
Textbeiträge: Christoph Rudhard (CR) / Jürgen Puchert (JP)

Layout und Druck des Vereinsblattes: Michael Menz
Layout der Internetseiten: Andreas Kanter