Kastanienstraße, „Kalte Hand“, Eichenweiler und Rothensee
Anlage Michael Menz – Teil 2

Von Marc Beindorf
Nachdem das Anlagenteil Neue Neustadt Eierkuchen und der Betriebshof fertig war, stellte sich natürlich für den Eigner und Erbauer Michael Menz die Frage: Wohin soll das führen? Nebenbei bemerkt: Nicht nur für ihn, sondern, das wurde heiß und ausführlich an mehreren stimmungsvollen Abenden diskutiert, denn auch, wenn Menz dran steht, ist doch irgendwie MSF eV drin, also umgekehrt proportional zu den reinen Vereinslagenteilen – da war es immer „wenn wer schreit Menz raustreten, fällt die Anlage zusammen“ und es bleibt nur noch ein Häufchen Holzstaub über. Die Antwort stand allerdings unter denkbar schlechten Vorzeichen, denn die größte Hürde der Darstellung aller nachfolgenden Ziele war, dass wir epochengerecht bleiben wollten.

Also schreiben wir das Jahr 1975. Im Magdeburger Norden gerade neu ist die Linie 8 zur Barleber Chaussee (heute Neustädter See, damals wohl noch ein Baggerloch). In Richtung Zoo-Neue Neustadt sind auf der „1“ gerade die Tatrazüge neu in Betrieb gegangen, die, weil sie ja in den „Bahnhof des Friedens“ (Btf. Neue Neustadt) nicht reinpassen, ausschließlich von Sudenburg als „Hängerzüge“ (Magdeburger Bezeichnung für einen Tatra-Minizug oder anders Zug aus Trieb- und Beiwagen) gestellt werden. Die restlichen Züge bestehen aus dem, was Neustadt so hergibt. Also vorwiegend noch Altbauzüge und die zweiachsigen Züge der Bauart Gotha, die eigentlich mehrheitlich für die „8“ gedacht sind. Auf den Linien 10 und 31 nach Rothensee sind fast ausschließlich Altbauzüge unterwegs, die vielleicht hier und da mal von Aufbauwagen oder etwas jüngeren Beiwagen Abwechslung erhalten.
Insgesamt ist Rothensee modellbautechnisch gesehen eine mehrfache Herausforderung.

Erstens besitzt die Endhaltestelle in Rothensee keine Wendeschleife oder ein Gleisdreieck, womit sich die Frage der Polwendung und überhaupt die Frage des Umsetzens an der Endhaltestelle stellt. Zweitens gibt es keine Fahrzeuge, die man von der Stange hier frisch, fromm und fröhlich einsetzen könnte. Es muß also nicht nur das Anlagenthema bearbeitet werden, sondern nebenbei sollten dafür auch passende Fahrzeuge erstellt werden. Gut übergangsweise ginge der Einsatz von Gotha-Zweirichtungswagen, aber die wären weder epochen- noch themengerecht, weil erstens als ZR-Züge nur auf der Linie 2 zu finden und seit 1965 komplett umgebaut zu Einrichtungswagen. Es blieb also nur der komplette Selbstbau (den Michael Menz selbst im Kapitel Kleinserien vorgestellt hat). Bis zur ersten öffentlichen Präsentation sollte das Fahrzeugthema unbedingt erledigt sein, denn sonst würde man sich der berechtigten Nietenzählerkritik aussetzen müssen.
Apropos: Diese Diskussion führen wir auch immer wieder wegen einer aus technischen Gründen notwendigen Drehscheibe zum erforderlichen (Pol-)Wenden der Triebwagen, wenn das Umsetzen der Beiwagen in Rothensee erfolgt. Auch Versuche mit einer über Kontakte erfolgten Umschaltung der Polrichtung konnten keine befriedigenden Ergebnisse erbringen. Die Schaltvorgänge und Umbauten sind einfach zu aufwendig und erschließen sich nicht jedem Bediener sofort. Für eine vereinsgeführte Anlage leider eine Grundvoraussetzung zum klaglosen Betrieb. Mit digitalem Fahren wäre diese Diskussion im Keime erstickt, aber momentan überlegt der Verein noch, ob er sich der digitalen Herausforderung im Fahrbetrieb in Zukunft stellen will. Hier wäre vielleicht ein Mischbetrieb auch analog und digital die zukünftig richtige Lösung. Die Zahl der mit Decoder auszurüstenden Züge dürfte sich in Grenzen halten. Mit den meisten Decodern ist heute ein Übergang in analoge Bereiche problemlos machbar.
Um es kurz zu machen, all diese modellbauerischen Hürden konnten genommen werden und sind zunächst zweckmäßig gelöst
Die Gesamtanlage schließt mit einigen Längen­kompro­missen die Lücke zwischen Kastanienstraße und Rothensee. Zunächst geht es auf einer kurzen Fahr­strecken­ver­längerung (diese bestehen zumeist aus 60 Zentimeter tiefen Anlagenteilen mit halbem Regel­quer­schnitt [nach Mamostra-Regel]) bis zur Nachtweide und hier in einem großen, vorbildähnlichen Gleisbogen an der Turnhalle vorbei über den Schöppensteg zur „Kalten Hand“ (wohl die Ecke an der Endstelle Zoo-Neue Neustadt, wo heute ein Autohändler ansässig ist) an der Ecke Curiestraße (nicht zu verwechseln, weil der Magdeburger das gerne so spricht, mit Curry). Hier findet sich nun die Endhaltestelle Robert-Meier-Straße, in deren Grünrondel sich der typische Gemeindebau in der Grünanlage befindet und auch das Kino auf der anderen Straßenseite ist wiedererkennbar auszumachen. Durch die Pettenkofer Straße (wieder als „Fahrstreckenverlängerung“ schmal gebaut) geht es nun dem S-Bahnhof Eichenweiler entgegen, wo sich die Haltestelle auf der Brücke befindet.

Von hier geht es bergab mit einem Längenkompromiss bis zur Schule Rothensee, die sich nun linker Hand ausmachen läßt, während rechts das Terrain vom großen Gasometer dominiert wird. Vorbei am Rothenseer Unterwerk erreichen wir schließlich die Kuppelendstelle Rothensee an der Polizeischule und linksseitigen Ausläufern des Plattenwerks. Durchzogen werden die Hauptteile der Anlage mit digital betriebenen Bahnanschlüssen und -strecken. Da im Bereich des S-Bahnhofs leider Gottes nur ein Ausschnitt des Eisenbahnbetriebs gezeigt werden kann, darf der dort abgestellte Eisenbahnteil wenigstens digital leuchten oder Geräusche von sich geben. Ist ja besser als es wegzulassen, wenn es schon nicht mit der S-Bahn-Anlage der Magdeburger Eisenbahnfreunde verbunden werden kann. Auf den Hafenbahngleisen ist ein begrenzter Eisenbahnbetrieb auf Industrieanschlußgleisen möglich, auf denen Soundloks sehr hübsch Güterwagen hin und her rangieren können, wovon im Ausstellungsbetrieb gerne (auch nicht epochengerecht) Gebrauch gemacht wird.